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Ziege mongolische Art

Als wir am Camp am Taikhar Chuulu angekommen sind hat uns unser Reiseleiter Martin erklärt, dass uns heute etwas Besonderes erwartet. Eine frisch geschlachtete Ziege auf traditionelle Art im Topf gekocht und dass wir auch bei der Schlachtung dabei sein können.

Das ist sicher nichts für einen schwachen Magen, deswegen war klar, dass niemand dabei sein muss, der nicht mag. Da meine Eltern Enten hatten, meine Großeltern Stallhasen und sie auch Nutztiere waren, die irgendwann auf dem Teller gelandet sind, war das für mich Okay. Wir haben uns also an einem Eck im Camp versammelt und waren gespannt und neugierig.

Das Feuer wurde vorbereitet, der große Topf stand schon bereit und die Ziege hat wohl geahnt, dass das heute nicht gut für sie ausgehen würde. Ein Schlag, ein Schnitt und das wars dann während schon das Feuer vorbereitet wurde.

Erst kamen die Innereien heraus, die Därme in eine Schüssel, alles andere an ein Gestell gehängt.

und dann musste das Fell runter. Das geht auch am besten, wenn die Ziege am Gestell hängt.

Hufe und Kopf müssen noch weg und dann kann man sich ans Zerlegen machen.

Während die einen mit dem Zerlegen anfangen, wird die frische Leber in Zwerchfell eingewickelt mit Zwiebel überm Feuer gebraten. Leber ist so ein spezielles Thema für mich. Als kleine Kind habe ich mich geweigert Leber zu essen und auch jetzt noch mag ich sie nicht. Leber Berliner Art, danke, aber nein danke. Trotzdem habe mich durchgerungen ein Stück zu probieren, nur um meine Meinung zu bestätigen.

Leber ist nichts für mich, selbst wenn sie ganz frisch ist und egal ob Schwein oder Ziege. Während die Ziege zerlegt wurde kam die Frau des Hauses und hat die Därme gereinigt. Es wird alles von der Ziege verwendet und nichts kommt weg.

Der Feuer wird geschürt und der Topf vorbereitet. Als die Ziege zerlegt ist, werden die heißen Steine aus dem Feuer geholt und in den Topf zwischen die Ziegenstücke gelegt und dann mit Wasser aufgegossen.

Jetzt nur noch den Deckel zu und den Topf aufs Feuer stellen und ungefähr ein und halb Stunden kochen lassen.

Gruppenbild der Akteure aktiv wie passiv

Soweit so gut. Wir haben uns also auf ein Fesmahl gefreut und wurden nicht enttäuscht. Im großen Saal im Camp war für uns eine große Tafel gedeckt. Die heißen Steine wurden aus dem Topf geholt, sauber gemacht und jeder Gast hat einen Stein zum Hände wärmen bekommen.

letzte Vorbereitungen, Sauce, Fett und das Vorlegebesteck

Gekocht sieht das doch sehr lecker aus und auf dem Teller dann gleich noch mehr.

Ich muss sagen, dass ich vermutlich noch nie frischeres Fleisch gegessen habe. Die Ziege war etwa vier Jahre alt und hat noch nicht diesen ausgeprägten Geruch und Geschmack gehabt, war also sehr lecker.

Zum Abschluss gab es Schnupftabak als Zeichen guter Mongolischer Höflichkeit und Gastfreundschaft. Der hat dann ziemlich in der Nase gekribbelt. Insgesamt ein Erlebnis und schön dass ich es erleben durfte. Den Abend haben wir dann noch mit einem guten mongolischen Bier beschlossen.

Taikhar Chuulu

Unser Tagesziel ist der Taikhar Chuulu, ein Monolith mitten in der Steppe. Aber bis wir dort sind müssen wir erst mal unser Camp abbauen. Gestern war ein ziemlich durchwachsener Tag, viel Regen, viel Fahrerei und nicht sehr erbaulich. Dafür ist es heute Früh um so schöner. Die Sonne scheint und unser Frühstück im Sonnenschein ist ein toller Start in den Tag.

Die Landschaft ist so saftig grün und anders als das, was wir die letzten Tage in trockener Steppe gesehen hatten. Ein bisschen wie zuhause und doch ganz anders. Das Wasser im Fluss ist angenehm und der Start in den Tag is sehr angenehm. Am anderen Ufer ist Vulkangestein zu sehen das von Ausbrüchen der Khrogor Vulkans stammt.

Wir frühstücken auch später als sonst, denn die heutige Etappe ist nicht sehr lang.

Wir brechen auf und entlang der Stecke sehen wir große Herden mit Schafen, Ziegen und Pferden und ihre Hirten, mal auf Pferd, mal auf Motorrad.

Die Landschaft zieht an uns vorbei und scheint endlos weit. Die vielen Herden und vielen Tiere machen den Reichtum der Mongolei aus. Alles Nutztiere die jemandem gehören.

Und auch der Buddhismus ist allgegenwärtig. Eine Stupa mitten in der Landschaft.

Und dann kommen wir an der Schlucht des Chuluut Flusses an. Hier hat sich der Fluss eine Schlucht über 100 km in das Vulkangestein gegraben und einen beeindruckenden Canyon geschaffen.

Ein Ort, der auch von vielen Mongolen besucht wird, quasi ein touristischer Hotspot. Im Hintergrund ist ein Touristencamp zu sehen. Und vor der Schlucht ein Souvenirladen und ein Gedenkstein. Ich habe leider nicht herausbekommen, wofür genau.

Beeindruckend sind die alten Lärchen und die Gegend, es fühlt sich ein wenig wie Alpenvorland an.

Ich stöbere noch am Souvenirladen und finde einen Kühlschrankmagneten, den ich mitnehme, als die anderen sich schon auf den Weg entlang des Canyons machen. Ich nehme mir noch Zeit, um ein paar mehr Fotos zu machen und die Gegend auf mich wirken zu lassen. Ich steige in den Bus ein und es sind noch ein paar mehr, die nicht mit auf die Wanderung sind.

Während wir warten, entdecke ich ein paar Blümchen. Ich kann einfach nicht verleugnen, dass meine Eltern Gärtner sind, denn Grünzeug ob blühend oder auch nur anders finde ich immer interessant.

Martin und auch der Rest der Gruppe kommt allmählich an, und wir können aufbrechen und weiterfahren. Es ist schön, dass wir heute Zeit haben.

Wir fahren weiter durch diese beeindruckende weite Landschaft. Grün, weit, Lärchenwälder. Verstreut sind die Jurten der Mongolen zu sehen. Immer wieder ein paar zusammen. Es gibt eine Koch Jurte und eine Wohn Jurte… und manchmal mehrere Wohn Jurten, wenn eine größere Familie zusammen lebt.

und natürlich wieder große Herden am Wegesrand, diesmal Yaks. Diese großen haarigen Tiere, Grunzochsen und sie machen ihrem Namen alle Ehre…

und natürlich gibt es hier auch Pferde, denn irgendwoher muss die viele Stutenmilch kommen, die ich auf den Märkten gesehen habe.

Unterwegs kommen wir an einem Coffeeshop vorbei – ich finde die kyrillische Schreibweise spannend. Ich habe tief in meinen Erinnerungen graben müssen, denn das eine Jahr Russisch aus der Schulzeit war schon sehr lange her. Immerhin konnte ich die Schilder und Beschriftungen entziffern… langsam, sehr langsam

Auf dem Weg zum Mittagshalt, mitten in der Gegend.

Wir halten an. Es sind genügend Steine und Hügel da, um ungestört mal kurz zu verschwinden.

Natürlich kam auch hier der Hinweis, bitte nicht bis hinter den Horizont zu gehen.

Dass ich hier auf der Wiese Edelweiß finde hat mich erstaunt. Und es war nicht nur einer, es waren richtig viele.

Bei der Weiterfahrt überqueren wir noch einen Pass und sehen einen etwas ungewöhnlichen Owoo. Nicht nur Stein, sondern auch aus Baumstämmen. Und in der Mitte viel Platz für Dankesgaben, Opfergaben und Fürbitten.

Man sieht häufig, dass Geld als Opfergabe da liegt. Etwas verwunderlich, denn wer sollte denn das Geld bekommen, wer sollte es holen, ohne die Opfergabe zu entweihen. Anderseits sind es immer nur kleine Scheine

Und ein Schal mit den acht Symbolen des Glücks im Buddhismus. zu sehen sind Muschelhorn, endloser Knoten, Fische, Lotosblüte, Rad – die Symbole sind die Ashtamangala.

Und dann kommen wir auch schon sehr bald am Taikhar Camp an. Wir werden schon erwartet und an unseren Platz gelotst. So ein großes Fahrzeug muss ja schließlich ordentlich stehen und für heute Abend ist neben Duschen auch noch etwas besonderes geplant. Für uns wird eine Ziege geschlachtet, zubereitet und soll unser Abendessen sein.

Das ist der Monolith. Der Sage nach, soll ein Riese eine böse Schlange unter diesem Stein gefangen haben.

Wir überlegen beim Aufbau, ob wir die Regenplane mit aufspannen sollen, denn der Himmel zieht schon wieder zu und es wird windig.

Über die Sache mit der Ziege und dem Essen schreibe ich im nächsten Beitrag… ist nicht unbedingt was für einen schwachen Magen.

Nach dem Essen sind wir noch mal raus und zum Monolithen gegangen. Keine zwei Stunden später und es ist wieder klar und schön.

Um diesen Monolithen gibt es einige Touristencamps und auch die Mongolen selber kommen hier her. Weil es schon spät ist, ist nichts mehr los, aber vorhin sind noch Yaks und Pferde hier herumgetrieben worden, damit die Gäste was zum reiten haben und es gibt auch Zielscheiben fürs Bogenschießen. Reiten und Bogenschießen, zwei der beliebtesten Sportarten hier. Ringen ist noch beliebter, aber das kann man auch auf einer großen freien Fläche machen.

Zurück am Camp werfen wir noch einen Blick auf die Miet Jurten für Gäste, die nicht mit dem Rotel unterwegs sind.

Gute Nacht. Mal schauen wo es morgen hin geht…

Weiter Richtung Tsetserleg

Es ist Sonntag. Woher ich das weiß? Es gibt Ei zum Frühstück. Ansonsten ist heute nichts sonntägliches auszumachen. In der Nacht hatte es geregnet und die Planen sind klamm, die Temperatur ist bei 11°C und es nieselt noch immer. Also eine schnelle Katzenwäsche, Frühstücken, Abbauen und vor allem noch mal den nassen Sand aus dem Rotel kehren. Einsteigen und los geht es.

Unser Talisman hilft bei der Fahrt über den sandigen Untergrund des Canyons in dem wir übernachtet haben. Durch den Regen ist der Sand nicht mehr so fest und unser Rotel hat ein bisschen Mühe da raus zu kommen. Wir bleiben aber nicht stecken und auch unser Begleitfahrzeug schafft es ohne Probleme wieder zurück zur Straße.

Die Wolken hängen tief, es ist kühl und das Wetter hilft irgendwie nicht wirklich bei der Motivation. Aber immerhin ist es nicht mehr trocken und sandig, sondern grün und es sind auch immer wieder mal Wälder zu sehen. Und natürlich auch eine Menge Herden.

Kamele und gemischte Ziegen und Schafherden

Wir fahren weiter und kommen an einem kleinen Buddhistischen Tempel und zwei Stupas vorbei. Sonst ist weit und breit nichts zu sehen. Martin meint, dass dies der Platz ist, an dem die lokalen Nadaam Spiele abgehalten werden. Ringen, Bogeschießen, Reiten… aber jetzt ist hier nichts los.

In diesen Stupas sind die sterblichen Überreste von Geistlichen oder anderen wichtigen Persönlichkeiten des Buddhismus begraben. Eine Art Reliquienschrein, naja und je bedeutender die Person, um so größer die Stupa.

Wir kommen an Tosontsengel vorbei, einer etwas größeren Ansiedlung. Noch ist es nicht Zeit für einen Mittagsstopp oder einkaufen, also geht es weiter.

Jurten und Häuser und beim Blick in die Straßen sieht man, wie das Wasser steht. Auch hier hatte es wohl ordentlich geregnet.

Insgesamt sind die Siedlungen und Städte in der Mongolei nicht wirklich beeindruckend und sind zum Teil erst während der sozialistischen Zeit so gewachsen. Die nomadische Kultur ist bei vielen Mongolen noch tief verwurzelt und so sieht man immer wieder die Jurten und ein Auto oder Motorrad daneben.

Ich bin froh, dass wir im Bus sind und nicht auf dem Motorrad. Geschützt, wenn mal wieder ein Schauer durchzieht. Den Tieren macht es scheinbar nichts aus und die Mongolen sind es vermutlich auch gewohnt, nicht so wie ich verwöhnter Zivilisationsmensch. Aber auch das gehört dazu. Auf der Strecke kommen wir zu einer Stelle, an der noch die Reste einer alten Brücke im Fluss stehen. Die war komplett aus Holz und Steinen gebaut.

Wir fahren weiter und kommen zu einer Säule, ein paar Gebetsmühlen – Ikh Uul Sum steht auf der Säule. Sum ist eine Stadt, also quasi ein Ortsschild, dass die Reisenden willkommen heißt, oder verabschiedet.

Natürlich braucht es auch ein Beweisfoto, dass ich da war, also habe ich meine Kamera einer Mitreisenden in die Hand gedrückt und sie gebeten ein Foto zu machen. Sie hat sonst immer mit ihrem Handy fotografiert und war etwas vorsichtig.

Ich habe meine Jacke an, denn es war ordentlich windig und nicht wirklich warm, so wie schon den ganzen Tag. Und dann ging es weiter, an einigen Herden vorbei. Dieses mal Yaks, oder vielleicht auch einer Kreuzung aus Yak und Rind.

weiter bergauf, denn bevor wir zum Ziel der Tagesetappe kommen, müssen wir noch eine Passhöhe auf 2200 Metern überqueren.

Lärchenwälder und oben am Gipfel merkt man schon, dass die Bäume wieder weniger werden. Wir nähern uns der Baumgrenze und Schneereste sind noch zu sehen. Sowas kenne ich auch aus Norwegen – Schnee im Sommer.

Und dann auf der Passhöhe angekommen pfeift der Wind, leichter Nieselregen weht uns ins Gesicht. Eine kurze Pause und ein paar schnelle Fotos, denken sich auch die anderen Reisenden.

Dann geht es wieder runter in die Ebene und die Landschaft ändert sich wieder. Vorbei am Terkhiin Tsagaan See sind wir fast am Ende unseres Tages angekommen. Das Wetter bessert sich, der Himmel reißt auf und wir schlagen unser Lager am Ufer eines Flusses auf.

Das erste mal, das ich ein wenig Zweifel hatte, ob die Reise doch so clever ist. Aber das verging unter dem blauen Himmel relativ schnell. Die Regenplane wurde aufgespannt, damit sie abtrocknen konnte. Unser Bier haben wir zum Kühlen in den Fluss gelegt und dann geschaut, was so um uns herum ist.

Das Wasser ist kühl, aber nicht kalt und wäre das Wetter den Tag über besser gewesen, hätte man baden können. Ein schönes Eckchen.

Die Bäume da am Fluss entlang waren der Platz wo man hin müsste, wenn man denn musste. Und auf der anderen Seite, war eine Mongolische Familie, die das Wochenende hier ihr Zelt – keine Jurte – aufgeschlagen hatten. Spiel und Spaß und Ball spielen, aber jedenfalls sind sie noch am selben Abend weg gefahren. Montag arbeiten, vermutlich.

und dann der Blick über den Fluss. Ein wenig Ruhe, ein gutes Abendessen und dann noch das Bier aus dem Fluss holen. Wermutstropfen – der Tag der Alkoholverschwendung, denn ich hatte eine Vodka Flasche in einen Pullover eingewickelt und in der oberen Ablage. Am Abend war mein Pulli mit Vodka getränkt. Und Kai hat eine Dose Bier eingebüßt. Mini Loch und den ganzen Tag über ist es langsam ausgelaufen. Weil es regnerisch und feucht war, ist das auch nicht weiter aufgefallen.

Prost – mit dem Restalkohol, den wir noch hatten…

Über Ulaangom nach Osten

Bisher waren wir von China aus durch den Mongolischen Altai immer weiter in den Norden der gefahren. Jetzt, nahe der Russischen Grenze wenden wir uns nach Osten Richtung Ulaanbatar. Bis dahin sind wir aber noch zwei Wochen unterwegs. Die Piste führt uns durch hügeliges Gelände. Unser Begleitfahrzeug fährt voraus.

Die Strecke führt immer weiter aufwärts und wir kommen an einer Abfahrt an, die sehr beeindruckend wirkt. Man kann die Piste erahnen und wie sie sich über die Ebene in viele Spuren verteilt. Einfach grob die Richtung und dann die Spur, die einem am besten erscheint.

Wir halten kurz an, um die Aussicht auf uns wirken zu lassen. Ein weites weites Land und dann sehen wir eine große Herde mit Schafen und Ziegen.

Während wir die Spur herunter Fahren sehen wir die Herde aus der Nähe. Schafe über Schafe und dazwischen Ziegen.

und auch der Hirte ist nicht weit, mit einem PS unterwegs

Wir durchqueren die Senke und kommen am Ulaan Dava, dem Roten Pass auf 1950m an. Und auch hier halten wir an, umrunden den beeindruckenden Ovoo und sind nicht die einzigen. Einige andere Reisende schließen sich an. Vorwitzige Ziesel sausen überall herum und passen auf, dass die kreisenden Milane sie nicht erwischen.

Buddhistische Glücksschals – Khataks – sind als Opfergabe auch sehr beliebt und flattern im Wind.

und auf dem Rauchopferofen (sperriges Wort) ach was, der Ofen für die Rauchopfer ist ein tibetisches Mantra. Der Buddhismus ist in der Mongolei sehr verbreitet und damit neben der Kyrillischen Schrift mit Abwandlungen für den Alltag auch die Tibetische Schrift. Hin und wieder sieht man die ursprüngliche Mongolische Schrift, die ein wenig wie Arabisch Senkrecht aussieht. Und um das ganze noch zu verkomplizieren wurde im 17 Jahrhundert die Sojombo Schrift entwickelt. Sie ist relativ kompliziert, allerdings ist das erste Zeichen dieser Schrift das Staatswappen.

Martin erzählt uns während der langen Fahrpassagen vieles über die Mongolei, die Geschichte, den Buddhismus und auch das Leben hier. Neben den vielen Eindrücken der Landschaft ist das unheimlich viel Input. Auch wenn es vielleicht so aussieht, als ob die Landschaft eintönig wäre, so ist sie es nicht. Farben der Steine, Bergkämme wechseln sich mit weiten Gebieten ab und der Blick kann in die Weite schweifen.

Wir machen uns auf den Weg Richtung Ulaangom und der Boden wird rötlich und es wachsen Bäume. Lerchen über Lerchen.

Voraus ist die Ebene zu erahnen die wir noch durchqueren müssen.

bevor wir dann in Ulangom ankommen, um zu Tanken, Einzukaufen und zu Mittag zu essen. Am Stadtrand sind viele Jurten zu sehen. So wie ich es in allen Städten bisher gesehen habe. Die Mongolen lieben in ihren Jurten und geben sie auch in den Städten nicht auf. Und ein Ruf schallt durch den Bus – Wir haben Empfang! Handys raus und die Bilder im Whatsapp Status teilen.

Einkaufen ist richtig modern, ein riesiger Supermarkt mit allem was man so braucht. Motorräder, Campingartikel, Lebensmittel, Getränke und auch Gurken aus dem Hainich. Eine Mitreisende ist so konsterniert, das beschäftigt sie noch die nächsten Tage und immer wieder hören wir sie murmeln “Hainich” und den Kopf schütteln. Es gibt auch einen Imbiss dort, bei dem wir uns was zum Mittagessen holen. Ich halte mich an das Mongolische Essen – Buuds – gedünstete Teigtaschen, mit Hack und Knoblauch gefüllt. Ich finde das sehr lecker – ist nur nichts für Vegetarier.

Ab hier sind wir wieder auf geteerter Straße unterwegs und es geht zügig voran. Das Wetter ist durchwachsen und immer wieder ziehen Wolken durch und hin und wieder ein Schauer. Wir fahren also weiter und kommen am Chjargas Nuur, einem großen See vorbei, der offensichtlich auch Naherholungsgebiet ist, denn mitten im Nichts sind Camps und Parkplätze.

Das Tor ist komplett gerade und parallel zum Untergrund, auch wenn es vielleicht nicht so aussieht, denn das Gelände ist abschüssig.

Wir stapfen durch das Kies Sand Gemisch, einmal an das Ufer und wieder zurück zum Rotel, damit wir noch ein wenig weiter kommen. Leider wird das Wetter nicht besser und die Schauer werden häufiger.Irgendwann biegen wir von der Straße ab und fahren querfeldein in einen geschützten Canyon. Hier sind wir von Steinen umgeben und werden auch von der Straße nicht gesehen.

Das Geweih des Argali Schafes haben wir beim durchstreifen der Gegend gefunden und als unseren persönlichen Beschützer vorne am Auto auf der Seilwinde befestigt. Beim Aufbau spannen wir auch die Regenplane mit auf, damit wir unter Dach essen können. Die Tische werden eng an eng gestellt. Ich hatte eigentlich auf sommerliches trockenes Wetter und nicht auf die Regenzeit gehofft, aber unverhofft kommt oft.

Dafür ist das Essen heute Abend um so besser. Kartoffeln, Salat, Eintopf und Hammel Frikadellen.

Wenigstens das Essen hebt die Laune, wenn schon nicht das Wetter.

Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass am Abend relativ früh Schluss ist. Die meisten sind schon um 9 Uhr in der Koje. Ein paar Unerschrockene müssen noch das Mongolische Bier verkosten und sind ein wenig länger auf.

Ruhetag am Üüreg Nuur

Heute steht auf dem Plan: Nichts

Also jedenfalls nicht auf dem offiziellen Plan. Ich nutze die Zeit, um die Bilder von der Kamera zu sichern, einmal durchzuschauen, was gut und nicht so gut ist und mein Tagebuch der letzten Tag noch fertig zu schreiben.

Im Camp lerne ich zwei Engländer kennen. Vater und Sohn, die mit dem Motorrad unterwegs sind. Mit dem Flieger sind sie nach Ulan Bator, dann weiter nach Khovd. Dort haben sie zwei Motorräder geliehen und sind jetzt unterwegs. Eines der Motorräder streikt und ist nicht zum Starten zu überreden. Sie warten auf einen Mechaniker, der aus der Gegend ist und demnächst vorbei kommen soll.

Zeit ist etwas sehr dehnbares hier draußen in der Steppe. Und letztlich schaffen sie es doch denn Fehler in dem Motorrad zu finden. Ich finde es mutig sich mit örtlichen Motorrädern mit 13 PS quer durch die Steppe auf den Weg zu machen. Aber es funktioniert offensichtlich gut.

Man könnte sich eine der Blockhütten mieten, um darin zu schlafen, aber ich fühle mich in meiner Rotel Koje ganz wohl. Strom und warmes Wasser gibt es nur, wenn der Generator da hinten in der Jurte läuft.

Noch ein paar kleinere Hütten und dann gehe ich zum Seeufer. Naja zumindest versuche ich es, denn die Stechmücken am Uferstreifen sind ziemlich aggressiv und ich trete schnell den Rückweg an.

Auf der Insel brüten Vögel und die Rufe schallen bis ans Ufer. Ein paar aus unserer Gruppe beschließen eine Wanderung zu machen und ziehen zu den nahegelegenen Bergen – aus der Richtung, aus der wir gekommen sind, nicht die russische Seite – und kommen nach Stunden ziemlich geschafft an. Entfernungen sind hier so schwer zu schätzen.

Nach dem Abendessen genießen wir den Sonnenuntergang in gebührendem Abstand von den Stechmücken. Interessante Diskussionen mit den Mitreisenden über Gott und die Welt und dann ist es auch schon dunkel.

Die Wolken haben leider den Blick auf die untergehende Sonne versperrt, aber das Abendrot und der Mond sind auch beeindruckend. Ich versuche noch etwas länger zu warten, um Sterne zu sehen, aber im Sommer ist das so wie bei uns. Es dauert einfach bis es richtig dunkel wird. Erst richtig spät sehe ich dann mehr Sterne und genieße die Aussicht.

Zeit Schlafen zu gehen.