Kloster Børglum

Heute Nacht hat es richtig ausgiebig geregnet, ach was, es hat geschüttet und ich bin davon auch wach geworden. Regentropfen, die an mein Dachfenster klopfen – in dem Fall ans Dach des Wohnwagens. Am Vormittag hat es dann etwas nachgelassen und dann habe ich beschlossen Kloster Børglum zu besichtigen.

Die Klosteranlage besteht seit etwa 1100 und war davor schon ein Königssitz. Der Ort hat nahezu 1000 Jahre Geschichte und sowas finde ich spannend. Vom Campingplatz aus, kann ich die Klosterkirche sehen. Wenn die Sonne scheint, leuchtet sie schön weiß. Heute nicht ganz so.

Im Mittelalter war das Kloster ein Bischofssitz mit einem Dom, denn Børglund war eine der wichtigsten Diözesen in Skandinavien. Heute ist es mittlerweile ein Gutshof und wird von den Besitzern in 6. Generation geführt. Der 7. Generation bin ich in der Kirche über den Weg gelaufen – so von Fotograf zu Fotograf haben wir uns ein wenig unterhalten.

Die Kirche wurde im Laufe der Zeit reduziert. Kirchenschiffe abgetragen, die Apsis eingerissen und das Hauptschiff gekürzt. Renovierungsarbeiten laufen noch, um die Wandmalereien wieder in altem Glanz erstrahlen zu lassen und sind fast vollendet.

Ich bin etwas über den siebenarmigen Leuchter und die grimmig dreinschauenden Engel irritiert.

Dafür ist der Blick zurück Richtung Orgel auch beeindruckend.

Was mir aufgefallen ist, ist der Weg zur Kanzel, dass er so schön abgeteilt ist.

Und dann noch die Taufkapelle die von vielen geschnitzten Putten umrahmt wird. Engelchen für die kleinen Engelchen…

Es gibt aber noch viel mehr zu sehen, als nur die Kirche. Natürlich gibt es hinter der Kirche noch einen Kräutergarten mit einigen Pflanzen die ich kenne, einige die ich nicht kenne und dann auch noch die Apothekerrose. Es ist noch ein bisschen zu früh im Jahr für Blüten, zumindest hier im Norden Dänemarks.

Und dann ging es weiter, denn es gibt noch einiges zu sehen. Die Wirtschaftsräume, eine alte Küche und mehr.

Hübsches blau emailliertes Blechgeschirr

Hier wurde schmutzige Wäsche gewaschen und wieder sauber. Hübsche Unterwäsche, die an der Leine hängt.

Zurück in den Innenhof und schauen, was es noch zu entdecken gibt.

Die Pfützen am Boden sind noch vom starken Regen der Nacht übrig, aber ich merke, wie das Wetter langsam aber sicher besser wird. Der Wind vertreibt die Wolken.

In der Roten Scheune ist eine Ausstellung über den Wandel der Zeit auf Børglund mit einem Verweis auf die Kriegsjahre, denn einer der Vorfahren war in der Resistance und mit einem Blick auf die Zeiten im Kalten Krieg und ein Ausblick auf das was aktuell geschieht. Sowas geht in Dänemark.

Wenn eine Familie über sechs Generationen hier lebt und die Frauen schöne Kleider tragen, kann man sie auch zeigen. Ich denke dass auch andere Exponate mit dabei sind. Auf jeden Fall eine beeindruckende Sammlung.

Brautkleider…

und als ich um die Ecke geschlichen bin, bin ich unversehens in der Werkstatt des Weihnachtsmanns gelandet. Hier ist gerade Pause, aber ich bin mir sicher, dass es in der Vorweihnachtszeit sehr geschäftig ist.

Es türmen sich schon vorbereitete Geschenke

also habe ich mich klammheimlich herausgeschlichen, nicht dass mich der Weihnachtsmann noch erwischt und ich dann zu Weihnachten keine Geschenke bekomme und bin wieder raus.

Links neben der Eiche, knapp außerhalb des Bildes ist noch ein weiteres Gebäude, in dem eine vollständige Kopie des Teppichs von Bayeux ausgestellt ist. Sie scheint recht neu zu sein aber sehr aufwändig gestickt mit der ganzen Geschichte von Wilhelm dem Eroberer.

Damit ging mein Besuch in Børglum zu Ende. Ein interessanter Besuch mit vielen Eindrücken, der mir das Grau in Grau des Himmels ein wenig aufgehellt hat.

Am Campingplatz angekommen haben mich die Nachbarn aus Eisleben angesprochen. So wie man unter Campern eben ins Gespräch kommt. Der Platz scheint in der Vorsaison fest in Deutscher Hand zu sein. Wir haben uns an dem Sitzplatz in den Dünen verabredet, denn der Wind hatte die Wolken sehr gut vertrieben, die Sonne kam raus und die Brandung toste wieder.

Heute Früh hätte ich nicht geglaubt, dass es am Nachmittag so schön werden würde.

Aber man sieht schon, dass die See deutlich mehr Schaumkronen hat und ordentlich Wellen hat. Selbst am Strand sind die Reste der Flut noch zu sehen.

Ein entspanntes Ende eines Tages. Mal schauen, was ich morgen mache.

Kochen im Wohnwagen

Mit nur zwei Kochstellen, ohne Backofen und etwas beengtem Platzangebot ist Kochen im Wohnwagen eine Herausforderung der ich mich gerne stelle. Oft genug gibt es nur Nudeln mit Sauce aber weil heute das Wetter nicht so toll war, brauchte ich was Gutes für die Seele.

Beim Einkaufen im Supermarkt habe ich gesehen, dass es vorbereiteten Kartoffelgratin gibt, also Kartoffeln vorgekocht, geschnitten und Sauce dazu. Natürlich könnte ich das auch ganz klassisch selber machen, aber ein bisschen Schummeln gehört dazu. Hühnerbrust aus der Kühlung.

Der Salat ist vorbereitet, Essig, Öl, Salz und Pfeffer und dann passt es. Im Omnia Ofen backt der Gratin mit geriebenem Mozzarella, den ich noch von zuhause mitgebracht habe. Die Hühnerbrust ist gebraten und eine schnelle Zwiebelsauce blubbert vor sich hin.

Tadaa… Der Käse ist prima geschmolzen. Ein bisschen mehr Bräunung hätte es sein können, aber jedes mal, wenn ich den Deckel zum Kontrollieren aufmache geht die Hitze flöten, also nach Gefühl kochen.

Es ist angerichtet. Dazu Camper Stilecht Dänisches Dosenbier.

Das habe ich nach einem regnerischen Tag einfach gebraucht. Ich hatte schon ein bisschen daran gezweifelt, ob die Wahl der Urlaubsortes richtig war, oder ob Bornholm besser gewesen wäre.

Statt zu grübeln habe ich ein Buch gelesen, etwas dass mir im Trubel zuhause einfach nicht gelingen mag. Hier habe ich dann doch ein bisschen mehr Ruhe.

Sonnenuntergang am Leuchtturm

Der Wetterbericht hat für die nächsten Tage kein sehr gutes Wetter gemeldet. Es sollen immer wieder Schauer kommen. Und wenn ich den Sonnenuntergang am Knude Fyr sehen möchte, sollte ich das heute noch machen.

Da die Sonne hier aber erst nach 22 Uhr untergeht habe ich noch genug Zeit, nach meinem Spaziergang am Strand noch zu Essen und ein wenig Mittagsbubu zu machen. Alter Mann braucht Ruhe.

Der Knude Fyr ist ein Leuchtturm der eine im wahrsten Sinne bewegte Geschichte hinter sich hat. Er steht auf einer Wanderdüne die im Laufe der Jahre weiter ins Landesinnere gewandert ist. Die Küstenerosion hat das ihre getan und so wäre er beinahe ins Meer gestürzt, wenn der Turm nicht um 70 Meter landeinwärts verschoben worden wäre.

Jetzt ist es nicht so, dass er noch im Dienst wäre, aber als Wahrzeichen musste er erhalten werden. Vom Parkplatz aus sind es noch knapp 2 Kilometer zur Düne, dann über den Sand zum Turm und die vielen Stufen nach oben, um die Aussicht zu genießen.

Irgendwo da hinten am Horizont liegt der Campingplatz.

und in die andere Richtung sind die Sanddünen Klippen zu sehen. Ein Stückchen weiter ist schon wieder alles grün.

Schlösser mit Liebesschwüren, oder zum 20. Besuch oder aus welchen Gründen auch immer die Menschen ihre Schlösse hier aufhängen. Natürlich sind auch reichlich Aufkleber da. Der ovale gelbe – “Nett hier…” darf natürlich nicht fehlen.

Noch ein Blick auf die Sandklippe, die an dieser Stelle mit 28 Metern ihre höchste Erhebung hat. Sandstrand, Klippe, Wanderdüne. Auf jeden Fall durch Wind, Wetter, Wellen und Erosion sehr dynamisch.

Ich erkunde die Gegend und suche mir den besten Platz für ein schönes Foto zum Sonnenuntergang. Leider war ich zu ungeduldig und bin viel zu früh her gekommen. Es ist erst acht Uhr und ich habe noch zwei Stunden Zeit.

Ich sitze also hier, im größten Sandkasten Dänemarks warte das die Zeit vergeht und beobachte die Menschen, wie sie kommen und gehen. Es wird ruhiger und es werden weniger Menschen.

Die Schatten werden lang und länger, die Spuren im Sand sind jetzt schön zu sehen. Und Spuren sind überall. Ich muss an meinen Urlaub in der Mongolei an der Khongoryn Els denken, dieser riesigen Sanddüne. Die Stimmung ist ähnlich, wenn auch mit deutlich mehr Menschen.

Die Sonne wandert langsam aber sicher weiter und sinkt, das Licht wird wärmer und weicher und die ersten Gruppen kommen zum Sonnenuntergang.

Neben mir sind noch ein paar Menschen, die mit der Kamera auch den Sonnenuntergang hinter dem Leuchtturm festhalten wollen. Wir wundern uns nur über die Gruppe die da an der Klippe steht. Entweder sie fotografieren den Leuchtturm, oder sie fotografieren den Sonnenuntergang aber beides geht nicht. Warum macht man sowas?

Die Sonne sinkt immer tiefer, ich mache immer wieder Testaufnahmen und weiß, dass ich dann später unheimlich viele Aussortieren werde. Das selbe Motiv dutzende male.

Jetzt ist die Sonne offiziell untergegangen, das letzte Abendrot leuchtet noch am Horizont. Die Fotos sind gemacht und es wird allmählich ganz schön frisch, jetzt wo die Sonne weg ist. Wir packen zusammen und machen uns auf den Weg zum Parkplatz.

Ein Blick zurück, die Spitze des Leuchtturms ragt über die Sanddüne hinaus. Das Licht der blauen Stunde zaubert eine schöne Stimmung.

Am Weg entlang, drehe ich mich noch ein paar mal um, um den Turm noch aus der Ferne zu fotografieren und entdecke dann, am Wegesrand einen vom Winde verwehten Baum, der sich schön gegen das Abendrot abzeichnet.

Es ist 23 Uhr als ich am Parkplatz ankomme, aber dunkel ist es noch nicht. So ist das im Norden im Sommer. Auf dem Weg zum Campingplatz kommen mir kaum Autos entgegen und in den Fenstern brennen Lampen. Ich freue mich darauf in meinem Wohnwagen ins Bett zu fallen und gut zu schlafen.

Kystbatteri

Vom Campingplatz aus führt eine Treppe zum Strand hinunter. Liebevoll mit einem Schild “Stairway to heaven” ausgeschildert. 75 Stufen runter und danach auch wieder rauf. Der Wind bläst heute ordentlich und das Meer rauscht und hat weiße Schaumkrönchen.

Nach Norden geht es Richtung Knude Fyr, nach Süden Richtung Løkken. Jetzt ist erstmal Richtung Süden auf dem Plan.

Entlang der Dänischen Nordseeküste sind Bunker, die Teil des Atlantikwalls waren. Nach etwa 80 Jahren sind diese gigantischen Betonklötze der Erosion zum Opfer gefallen und liegen wie verstreute Spielzeuge am Strand.

Ich gehe an dem ersten Betonklotz vorbei und sehe am Strand entlang noch einige weitere Bunkerreste liegen. Eine ganze Küstenbatterie.

Größer, Kleiner und teilweise nur noch ein Rest im Wasser.

Mit dem Wissen um die Geschichte, um den militärischen Zweck der Anlage fühlt sich das surreal und seltsam an hier einfach dazwischen spazieren zu können. Damals war das sicher Sperrgebiet.

Da standen einmal große Geschütze und haben aufs Meer hinaus gezielt. Jetzt sind sie Wind und Wellen ausgesetzt und dort wo der Stahl an der Oberfläche zu sehen ist blüht der Rost.

Es sind auch reichlich Graffiti zu sehen. Bunt oder einfach nur Schriftzüge. Dazwischen das Wasser das durch die Gezeiten stehen bleibt.

Ob das hier als Blick in / durch die Vergangenheit zählt?

In jedem Fall sind diese Betonklötze beeindruckend und eine Erinnerung an das, was mal war.

Gut dass die Sonne scheint, das Wetter hilft einem, dass ich nicht schwermütig werde. Hin und wieder sind ein paar Kinder da, die begeistert auf die Reste herauf klettern oder in die Öffnungen rein gehen.

Ich habe kein Verlangen danach und mache mich allmählich wieder auf den Weg zurück und da liegt dann noch so ein Klotz, als ob ihn jemand achtlos weggeworfen hat.

Strandgut…

Die Bunker habe ich hinter mir gelassen und bin schon fast wieder bei der Treppe zum Campingplatz, da kommen mir die ersten Paraglider entgegen

Bei traumhaftem Wetter, ordentlich Wind fliegen sie direkt hinter dem Campingplatz auf und ab. Am Eingang zum Campingplatz steht ein Schild dass auf die örtlichen Regeln für Paraglider hinweist. Hier ist das also üblich.

Ich bin etwas schnaufend oben angekommen, da rauscht schon einer über mich hinweg. Und mir kommt jemand mit seinem Schirm im Rucksack entgegen der an den Strand möchte. Bei einem kurzen Plausch erzählt er, wie toll das fliegen ist. Er ist sichtlich begeistert und es macht ihm viel Freude. Wer möchte denn bitte schön nicht auch fliegen können.

Ich bleibe noch eine Weile am oberen Aussichtspunkt und genieße die Sonne, den Wind und die Flieger

und den Blick auf die Wellen. Das Rauschen ist selbst hier oben, etwa 15 Meter über dem Strand noch sehr deutlich zu hören.

Was für ein schöner Fleck Erde hier.

An der Jammerbucht

Der Urlaub dieses Jahr ist anders als meine anderen Skandinavien Urlaube. Keine Fähre, nicht die übliche Strecke nach Rostock. Nein, dieses Mal ging es die A7 hoch bis Flensburg. Da habe ich einen Freund besucht und in seiner Einfahrt mit meinem Wohnwagen übernachtet. Er musste am Freitag in die Arbeit und so haben wir uns schon am Donnerstag Abend verabschiedet.

Freitag früh ging es nach dem Morgenkaffee zügig los. Noch einmal Tanken und dann über die Grenze nach Dänemark. Und kaum über die Grenze ist der Verkehr sofort deutlich entspannter. Keine Raser, keine Drängler, aber das ist mir mit Wohnwagen sowieso egal. Die dänischen Parkplätze entlang der Autobahn sind sehr empfehlenswert. Sauber, ordentlich und die Toiletten klasse. Sie kommen zwar noch nicht an die in Norwegen ran, aber das ist dann Jammern auf hohem Niveau.

A propos Jammern – der Campingplatz den ich mir ausgesucht habe, hatte eine negative Bewerbung, weil es keine Kinderanimation in der Hauptsaison gab. Das war für mich überzeugend genug, dass das genau der Platz ist, an den ich möchte und er liegt an der Jammerbucht.

Der Name Jammerbucht kommt daher, dass im 19. Jahrhundert etliche Schiffe entlang der Küste gesunken sind und es viel zu Jammern und Klagen gab. Ich jedenfalls kann nicht klagen. Am Platz angekommen wollte ich einchecken, aber es hing nur ein Schild da: Lieber Gast, bitte such dir einen Platz aus, stell dich hin und komm dann um 16 Uhr zum Check in.

Da stehe ich also. Hinter dem Wohnwagen die Düne und etwa 20 – 30 Meter tiefer dann das Meer. Mit Blick nach Westen kann ich den Sonnenuntergang beobachten. Aber erstmal den Platz erkunden. In der Vorsaison sind nicht viele Gäste da und die Auswahl an freien Plätzen ist groß.

Durch die Dünen führen schmale Pfade zwischen Rosa rugosa hindurch zu schönen Plätzen an denen ich einen wunderbaren Blick über die Küste habe.

Am Strand müht sich ein Gleitschirmflieger mit dem Abheben oder auch nicht Abheben, das lässt sich für mich nicht so genau feststellen. Der Wind bläst ordentlich und ein paar Mal macht er kleine Hüpfer.

Richtung Løkken sind dann Bunkerreste zu sehen und wilde Wolken schieben sich über den Himmel.

Ich wandere noch ein wenig durch die Dünen und entdecke einen Sitzplatz. Das wird hübsch.

Zurück zum Wohnwagen sehe ich ihn über die Büsche ragen.

Ein Blick zurück zum Meer und dann mache ich mich auf den Weg zum einkaufen.

Der Supermarkt ist nicht sehr weit weg und nachdem ich sowieso für die ersten Tage versorgt bin, habe ich nur ein paar Kleinigkeiten mitgenommen. Gebäck, Krabbensalat, Skågen Salat und ein paar Kekse. Es ist auch eine Tankstelle beim Supermarkt. 16,09 Kronen, ungefähr 2,15€ pro Liter. Einmal werde ich ums Tanken nicht drum herum kommen.

Aber jetzt erstmal Bilder sichten, Blog schreiben und dann den Abend genießen.