Es ist Sonntag. Woher ich das weiß? Es gibt Ei zum Frühstück. Ansonsten ist heute nichts sonntägliches auszumachen. In der Nacht hatte es geregnet und die Planen sind klamm, die Temperatur ist bei 11°C und es nieselt noch immer. Also eine schnelle Katzenwäsche, Frühstücken, Abbauen und vor allem noch mal den nassen Sand aus dem Rotel kehren. Einsteigen und los geht es.

Unser Talisman hilft bei der Fahrt über den sandigen Untergrund des Canyons in dem wir übernachtet haben. Durch den Regen ist der Sand nicht mehr so fest und unser Rotel hat ein bisschen Mühe da raus zu kommen. Wir bleiben aber nicht stecken und auch unser Begleitfahrzeug schafft es ohne Probleme wieder zurück zur Straße.

Die Wolken hängen tief, es ist kühl und das Wetter hilft irgendwie nicht wirklich bei der Motivation. Aber immerhin ist es nicht mehr trocken und sandig, sondern grün und es sind auch immer wieder mal Wälder zu sehen. Und natürlich auch eine Menge Herden.

Kamele und gemischte Ziegen und Schafherden

Wir fahren weiter und kommen an einem kleinen Buddhistischen Tempel und zwei Stupas vorbei. Sonst ist weit und breit nichts zu sehen. Martin meint, dass dies der Platz ist, an dem die lokalen Nadaam Spiele abgehalten werden. Ringen, Bogeschießen, Reiten… aber jetzt ist hier nichts los.

In diesen Stupas sind die sterblichen Überreste von Geistlichen oder anderen wichtigen Persönlichkeiten des Buddhismus begraben. Eine Art Reliquienschrein, naja und je bedeutender die Person, um so größer die Stupa.

Wir kommen an Tosontsengel vorbei, einer etwas größeren Ansiedlung. Noch ist es nicht Zeit für einen Mittagsstopp oder einkaufen, also geht es weiter.

Jurten und Häuser und beim Blick in die Straßen sieht man, wie das Wasser steht. Auch hier hatte es wohl ordentlich geregnet.

Insgesamt sind die Siedlungen und Städte in der Mongolei nicht wirklich beeindruckend und sind zum Teil erst während der sozialistischen Zeit so gewachsen. Die nomadische Kultur ist bei vielen Mongolen noch tief verwurzelt und so sieht man immer wieder die Jurten und ein Auto oder Motorrad daneben.


Ich bin froh, dass wir im Bus sind und nicht auf dem Motorrad. Geschützt, wenn mal wieder ein Schauer durchzieht. Den Tieren macht es scheinbar nichts aus und die Mongolen sind es vermutlich auch gewohnt, nicht so wie ich verwöhnter Zivilisationsmensch. Aber auch das gehört dazu. Auf der Strecke kommen wir zu einer Stelle, an der noch die Reste einer alten Brücke im Fluss stehen. Die war komplett aus Holz und Steinen gebaut.

Wir fahren weiter und kommen zu einer Säule, ein paar Gebetsmühlen – Ikh Uul Sum steht auf der Säule. Sum ist eine Stadt, also quasi ein Ortsschild, dass die Reisenden willkommen heißt, oder verabschiedet.

Natürlich braucht es auch ein Beweisfoto, dass ich da war, also habe ich meine Kamera einer Mitreisenden in die Hand gedrückt und sie gebeten ein Foto zu machen. Sie hat sonst immer mit ihrem Handy fotografiert und war etwas vorsichtig.

Ich habe meine Jacke an, denn es war ordentlich windig und nicht wirklich warm, so wie schon den ganzen Tag. Und dann ging es weiter, an einigen Herden vorbei. Dieses mal Yaks, oder vielleicht auch einer Kreuzung aus Yak und Rind.

weiter bergauf, denn bevor wir zum Ziel der Tagesetappe kommen, müssen wir noch eine Passhöhe auf 2200 Metern überqueren.

Lärchenwälder und oben am Gipfel merkt man schon, dass die Bäume wieder weniger werden. Wir nähern uns der Baumgrenze und Schneereste sind noch zu sehen. Sowas kenne ich auch aus Norwegen – Schnee im Sommer.


Und dann auf der Passhöhe angekommen pfeift der Wind, leichter Nieselregen weht uns ins Gesicht. Eine kurze Pause und ein paar schnelle Fotos, denken sich auch die anderen Reisenden.

Dann geht es wieder runter in die Ebene und die Landschaft ändert sich wieder. Vorbei am Terkhiin Tsagaan See sind wir fast am Ende unseres Tages angekommen. Das Wetter bessert sich, der Himmel reißt auf und wir schlagen unser Lager am Ufer eines Flusses auf.

Das erste mal, das ich ein wenig Zweifel hatte, ob die Reise doch so clever ist. Aber das verging unter dem blauen Himmel relativ schnell. Die Regenplane wurde aufgespannt, damit sie abtrocknen konnte. Unser Bier haben wir zum Kühlen in den Fluss gelegt und dann geschaut, was so um uns herum ist.

Das Wasser ist kühl, aber nicht kalt und wäre das Wetter den Tag über besser gewesen, hätte man baden können. Ein schönes Eckchen.

Die Bäume da am Fluss entlang waren der Platz wo man hin müsste, wenn man denn musste. Und auf der anderen Seite, war eine Mongolische Familie, die das Wochenende hier ihr Zelt – keine Jurte – aufgeschlagen hatten. Spiel und Spaß und Ball spielen, aber jedenfalls sind sie noch am selben Abend weg gefahren. Montag arbeiten, vermutlich.

und dann der Blick über den Fluss. Ein wenig Ruhe, ein gutes Abendessen und dann noch das Bier aus dem Fluss holen. Wermutstropfen – der Tag der Alkoholverschwendung, denn ich hatte eine Vodka Flasche in einen Pullover eingewickelt und in der oberen Ablage. Am Abend war mein Pulli mit Vodka getränkt. Und Kai hat eine Dose Bier eingebüßt. Mini Loch und den ganzen Tag über ist es langsam ausgelaufen. Weil es regnerisch und feucht war, ist das auch nicht weiter aufgefallen.
Prost – mit dem Restalkohol, den wir noch hatten…
