Kilometer fressen

Wer mit dem Auto zu den Lofoten möchte, braucht gutes Sitzfleisch, oder einfach nur mehr Ausdauer beim Autofahren. Die Fahrt durch Schweden war sehr angenehm denn die Strecke über die N26, E45 und E14 führte überwiegend durch Wälder, vorbei an Seen und Wiesen und durch sehr wenige Ortschaften.

Mag sein, dass ich den besten Teil von Schweden verpasst habe, aber das war dieses Mal nicht mein Ziel. Jedes mal wenn ich eine Tanke gesucht habe, hat mich das Navi auf einmal mitten in Ortschaften gelotst, die ich sonst vermutlich nicht gesehen hätte.

Wenn man so durch die Wälder fährt, entsteht leicht der Eindruck Schweden sei menschenleer. Das ist aber nicht so, denn wenn man genauer hinschaut, sieht man überall Hütten in den Wäldern, nur eben etwas versteckt. Überraschend auch die vielen kleinen Weiler, die aus 4 – 6 Häusern bestehen und mitten im Nirgendwo liegen.

Für die Übernachtung habe ich irgendwo in einem kleinen Ort zwischen Mora und Östersund einen Platz gegenüber einer Kirche gefunden. Es gab dort Toiletten und Wasser für übernachtende Camper.

Die erste Nacht in Schweden

Nachdem die Fähre abends um 21 Uhr in Trelleborg angekommen war, wollte ich noch wenigstens ein paar Kilometer fahren, denn die Strecke zu den Lofoten war noch sehr lang.

Also erst mal die Küste entlang, um Malmö herum, an Helsingborg vorbei und fast bis Halmstadt. In der App Park4Night hatte ich einen Parkplatz direkt hinter der Düne gefunden, wo man für eine Nacht stehen kann. Nachts, es war 23 Uhr, schon nach Sonnenuntergang und reichlich dunkel, als ich ankam. Hänger abgehängt, Stütze runter und dann doch erst mal zum Strand.

Ein schöner Platz für eine Nacht

Nach einer ruhigen Nacht, erst mal Kaffee gemacht, gefrühstückt und den Strand noch mal bei Sonnenlicht begutachtet. Ja, das wäre auch ein nettes Plätzchen, um Urlaub zu machen.

Mit der Fähre nach Schweden

Es gibt viele Wege, um mit dem Auto zu den Lofoten zu kommen. Entweder die Öresundbrücke oder eine der vielen Fähren. Ich habe mich für die Fähre von Rostock nach Trelleborg entschieden. Das Angebot von TT-Lines hat am besten zu meinem Gespann gepasst. Color Lines haben für Gespanne pauschal mindestens 12 Meter gerechnet und dafür fast das doppelte an Fährgebühr aufgerufen. Da mein Fabia samt Hänger aber knapp unter 10 Meter lang ist kam das für mich nicht in Frage.

Am Fährhafen das übliche Prozedere. Einchecken und dann auf eine der zugewiesenen Wartespuren fahren. Dort heißt es dann warten, bis die Fähre bereit ist und der Lademeister einen reinwinkt. Dieses mal war es etwas anders, denn erst sollten die PKWs, dann die Wohnmobile, dann die Gespanne und zuletzt die LKWs in die Fähre. Also wurde lustig sortiert und letztlich sind dann doch alle auf die Fähre gekommen.

Warnemünde

Als es dann los ging, haben wir bei Warnemünde den Hafen verlassen und sind noch einige Zeit nordostwärts gefahren, die Küste noch am Horizont. Jetzt hieß es sich die fünf Stunden überfahrt irgendwie zu vertreiben. Lesen, Schlafen, etwas Essen und dann wieder auf Deck und sich auf einem Liegestuhl sonnen.

Irgendwann war dann endlich Trelleborg in Sicht. Die LKW Fahrer machten sich schon bereit zu den Fahrzeugen zu kommen. Da die das öfter machen, habe ich mich dann auch auf den Weg gemacht. Der Fahrer des Wohnmobils, der vor mir war, hat das wohl nicht so ganz erkannt und kam, als die Ersten vor uns schon los gefahren sind.

Bei der Ausfahrt aus dem Schiff habe ich dann auch begriffen, warum beim Beladen so sortiert worden ist. Die Fähre wurde zwar vom Heck beladen, die Autos konnten aber nicht beim Bug heraus fahren, sondern durch eine große Luke in der Seite des Schiffs, also mussten die wendigen PKWs nach vorne, damit das reibungsloser klappt.

Lofoten – die Reise beginnt

Die lange geplante Reise beginnt. Der Wohnwagen ist gepackt, das Auto gecheckt, was kann da noch schiefgehen. Um es vorweg zu nehmen, keine der befürchteten Katastrophen ist auf der Fahrt in den Norden eingetreten.

Zunächst geht es nach Rostock, um dann mit der Fähre nach Trelleborg im Süden Schwedens überzusetzen. Bei meinem letzten Urlaub war ich froh, diesen Zeitpuffer zu haben. Dieses mal nicht, denn ich bin schon am Donnerstag Abend in Rostock angekommen und die Fähre geht erst um 15:30 Uhr.

Also in Ruhe warten und nach dem Alltag zur Ruhe kommen. Übernachtet hatte ich auf einem Ausflugsparkplatz in Diedrichshagen und meine neue Elektrik konnte sich bewähren.

Im Hafen von Rostock

Besuch im Dokuzentrum Reichsparteitag

August 2012 – Sommerferien, strahlender Sonnenschein

Eigentlich sollte man Museumsbesuche an einem regnerischen trüben Tag machen – hier aber auf keinen Fall, denn wenigstens das Wetter muss einen danach aufheitern. Mir ging es jedenfalls so, nachdem ich das Dokuzentzum verlassen hatte.

Vieles was in der Schule über die damalige Zeit gelehrt wird, wird dort mit einem viel größeren Schwerpunkt auf die direkten Auswirkungen auf Nürnberg gezeigt. Massenveranstaltungen als logistische Herausforderung mit den wesentlich einfacheren Mitteln, die damals zur verfügung standen. Ausbeutung und Unterdrückung die durch die dort verkündeten Gesetze legitimiert wurden. All das wird dort lebendig…

Die Zeit des Dritten Reichs übt eine gewisse morbide Faszination auf mich aus. Das Wissen um die Greueltaten macht es abstoßend und schlimm. Was für mich aber weit schlimmer war, dass ich selbst im Laufe des Besuchs von dieser Masseninszenierung und diesem pseudosakralen Getue fasziniert war, dass ich jeden im Volk, der damals verführt wurde und mitgemacht hat verstehen kann. Es wurde vordergründig ein „Wir-Gefühl“ vermittelt das hintergündig zur Machtausübung missbraucht wurde. Mit dem entsprechenden Abstand ist das zu erkennen – in der Situation selbst wohl kaum.

Als Fazit dieses Besuches ziehe ich für mich – es ist gut, diese Erinnerung wach zu halten, damit sie niemand vergisst und vor allem, dass sich so etwas nicht wiederholt, egal wo. Die Erinnerung daran darf aber nicht dazu dienen Schudgefühle zu erzeugen. Wir sollten stolz darauf sein Deutsche zu sein, trotz unserer Geschichter und wegen unserer Geschichte – und genau das bin ich auch.