Vesterålen ade

So allmählich ist mehr als die Hälfte meines Urlaubs vorbei und ich muss daran denken, wieder in den Süden zu fahren. Also verabschiede ich mich von Andøya und stehe mal wieder im Hafen und warte auf eine Fähre. Die soll mich von Andenes nach Gryllefjord auf Senja bringen.

Dieses mal wird die Fähre nicht vorher bezahlt, wie ich es kenne, sondern erst an Bord. Liegt wohl daran, dass nicht immer alle mit können und man sich so Ärger erspart. Jedenfalls gab es an Bord noch Diskussionen wegen des Fährpreises. Auto mit Hänger bis 10m kostet deutlich weniger als Wohnmobil der selben Länge. Ich konnte es noch klären und der Preis hat dann gepasst.

Senja von der Fähre aus

Senja ist noch nicht Festland, es ist eine vorgelagerte Insel und in vielen Berichten steht, dass es Norwegen in klein wäre. Mal schauen, ob das so stimmt.

Die ersten Ansichten sind jedenfalls beeindruckend. So viel Natur, so wenig Mensch, so viel Schön.

Gryllefjord

In Gryllefjord geht es an Land. In dem winzigen Ort sind am Hafen etliche Wohnmobile und in der Zufahrtsstraße bildet sich ein langer Stau. Die werden wohl nicht alle mit der nächsten Fähre nach Andenes kommen.

Es ist auch deutlich wärmer geworden. 20° und ich schwitze. Sowas hatte ich schon befürchtet, das tut der Schönheit der Insel keinen Abbruch. Ich weiß gar nicht wohin ich außer auf die Straße zuerst schauen soll. Links eine wunderbare Bucht mit kristallklarem Wasser und Schären, dann auf einmal rechts ein Wasserfall und ringsumher nix als Gegend.

Und dann geht es in die Berge. Mein Fabia muss ordentlich pusten, aber er schafft es. Wie auch schon im letzten Urlaub.

Die Pass Straße ist nicht sehr hoch gelegen, nur 600 Meter, aber direkt vom Meer hoch ist das ganz ordentlich und dann ein Aussichtspunkt mit einer Hammer Aussicht.

Das diese Strecke nicht die Hauptroute über die Insel ist, sollte klar sein, und eigentlich wollte ich noch eine Nacht auf Senja verbringen. Aber da die Insel touristisch noch nicht so erschlossen ist, sind die wenigen Touristen die da sind, teilweise schon zu viel und die Plätze waren alle voll. Irgendwo hin stellen wollte ich mich dann doch nicht.

Also ging es weiter aufs Festland in die Region Troms und ist mir etwas, passiert, was ich so nicht erlebt hatte. Kein Handyempfang und dann nur noch Edge. Scheinbar gibt es das auch in Norwegen. Der Campingplatz hatte dann auch kein Wifi und so war es ein schöner ruhiger Abend.

Aber mit den Temperaturen kamen auch die Mücken. Ich überlege noch was mir lieber ist – frieren oder Schnaken klatschen.

Whalesafari Andenes

Heute war etwas ganz besonderes auf dem Plan. Walsafari – mit dem Boot raus fahren und Wale beobachten, und natürlich auch fotografieren. Und hier in Andenes ist es besonders einfach, denn die Tiefsee beginnt keine 20 km vor der Küste der Insel. Da ist das Meer dann bis zu 3000m tief und nährstoffreich und Wale halten sich da gerne auf.

jetzt setzt er zum Tauchen an

Zunächst gibt es erst mal Informationen über die verschiedenen Walarten. Bartenwale und Zahnwale – die ersten ernähren sich von Krill und Plankton, die zweiten von größeren Tieren. Die Pottwale, die vor Andenes besonders häufig sind, zählen zu den Zahnwalen, die sich hauptsächlich von Tiefseekalmaren ernähren. Und es sind nur Männchen, denn die Weibchen mit ihren Jungen halten es im kalten arktischen Wasser nicht so aus.

gleich ist er weg

Dann ging es auf das Boot. Es gibt hier zwei Boote ein etwas langsameres, das schon länger im Einsatz ist und die schnellere MS Maan Dolphin. Und die Fahrt raus zu den Walgebieten war eine ganz schöne Schaukelei, denn der Kapitän hat ordentlich aufs Gas getreten. Draußen sind wir dann vier Pottwalen und dem anderen Boot begegnet.

Zum Schluss gab es noch eine Übersicht, wo wir gefahren sind, wo die Sichtungen waren und was wir da überhaupt gesehen haben.

Befahren auf eigene Gefahr

Nach dem Space Center wollte ich noch nicht zurück, denn es gibt ja noch viel zu sehen. Also mit dem Auto weiter, die Insel erkunden.

Gerade bei bedecktem Himmel und kaltem Wind gibt der Strand ein schönes Motiv ab. Wellen, Steine, Sand und Wasser…

und natürlich auch Grünzeug

Und dann bin ich mutig gewesen und bin in eine der Seitenstraßen gefahren, da ich nicht um die ganze Insel fahren wollte, musste ich sie ja irgendwo queren.

Wegen der Wintersperrung, befahren auf eigene Gefahr.

Wenn Norweger schon schreiben, „Befahren auf eigene Gefahr“ dann kann das nur bedeuten, dass diese Straße in Deutschland nicht mal mehr auf der Karte zu finden wäre. Hier ist sie offiziell eingezeichnet und benutzbar. Mir ist auf der Strecke sogar jemand entgegen gekommen.

Straßenbegrenzung in bunt

Eine asphaltierte Strecke, die nur durch die Schlaglöcher zusammengehalten wird. Dafür jede Menge Natur und plötzlich hoppelt ein Hase vor mir über die Straße. Natürlich auf Blumen, und da kann ich den Gärtnerssohn nicht verleugnen.

Birkenhain mit Farnen
Blumen im Moor

Auf der Strecke zeigt sich, dass Andøya in weiten Gebieten ein Moor Gebiet ist. Teilweise habe ich Torfabbau gesehen. Und weit und breit kein Mensch, kein Haus, nur die Straße und bester LTE Empfang

ein paar Schlaglöcher sind zu sehen

Andøya Space Center

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur heute eben keinen Sonnenschein. Also was tun? Hier in Andøya gibt es ein Space Center. Von hier werden Raketen zur Erforschung des Polarlichtes und der oberen Atmosphäre abgeschossen und die Ergebnisse gesammelt.


Leider hat das Besucherzentrum wegen Umbau bis 2020 geschlossen und ich konnte „leider“ nur eine geführte Tour durch die echten Räume machen. Das war für mich deutlich spannender als vorbereitete Inhalte zu sehen. Also habe ich die Tour gebucht. Außer mir ist dann niemand gekommen und so hat die nette Studentin mich alleine durch das Gelände geführt. Erst mal gab es einen Film über das Nordlicht und die Forschung dazu, dann ging es los.

Erst waren wir in Mission Control, wo alles zusammenkommt, dann im Tower, wo das Gelände, die See und der Himmel im Auge behalten werden. Überall gab es Checklisten. Da der nächste Start erst in einem Monat geplant war, waren auch noch keine Wissenschaftler vor Ort. Anfassen durfte ich trotzdem nichts. Die Telemetrie ist dann auch nur ein Raum, der mit Technik vollgestopft ist und natürlich gibt es überall Backup Systeme, falls eins versagt.

Richtig spannend wurde es, als wir zur Abschussrampe gekommen sind. Hier ist die Rampe, die 1962 für den ersten Start einer Rakete verwendet wurde. Dann kam die Rampe für die Studentenprojekte, und die für die NASA und da hinten, ist unsere große Startrampe. Natürlich in einem Gebäude, wettergeschützt, aber man sieht deutlich wie das Dach zur Seite fahren kann, damit die Rampe mitsamt der Rakete aufgestellt wird.

Startrampe für Raketen bis 30to

Die Schmauchspuren an den Wänden zeigen deutlich, dass hier schon mehr als eine Rakete gestartet ist. In einem feuersicheren Kasten am Sockel der Rampe ist noch eine Notbedienkonsole mit der nächsten Checkliste. Die sah allerdings etwas angekokelt aus.

Bei der Frage nach Unfällen, hat sie erzählt, dass es hier wohl schon den einen oder anderen Fehlstart gab. Eine der Studentenraketen hat die nahe gelegene Bergwand getroffen, statt in den Himmel zu fliegen. Und durch den einen oder anderen Startabbruch sind schon brennende Trümmer runter gefallen und haben für Feuer gesorgt. Spannende Sache das.

Ich fand es jedenfalls sehr spannend, dass ich wirklich überall hin durfte und mir auch alles anschauen durfte. Die Norweger sind halt in allem etwas entspannter.

Mitternachtssonne

Ich hatte mit dem Wetter wieder mal Glück. Je später es wurde, um so schöner wurde der Himmel. Kaum Wolken in Richtung Norden und die Sonne schien mir den ganzen Abend in den Wohnwagen. Schöner geht es kaum.

Dann kurz vor Mitternacht zogen am Himmel Wolken auf und machten den Anblick noch interessanter. Kurz nach Mitternacht schoben sich dann noch Wolken vor die Sonne, die dann trotzdem das eine oder andere mal durch die Lücken blitzte.

Tiefer kommt die Sonne nicht mehr. Also nix mit Horizont berühren und so, das ist dann erst Ende August so weit. Jedenfalls wieder ein beeindruckender Anblick.